Test: Chandler Little Devil Colored Boost Gitarrenpedal

Der Chandler Little Devil Colored Boost war eine echte Überraschung für Gitarristen und Studiotechniker. Ist der amerikanische Hersteller doch eher für seine Studiogeräte und weniger für Gitarrenpedale bekannt. Wollen wir doch mal sehen, was der “rote Teufel” so unter der Haube hat.

Der Chandler Little Devil Colored Boost gibt im Namen schon ziemlich deutlich an, worum es geht. Abseits der sonst erhältlichen cleanen, nicht färbenden Boost-Pedalen für Gitarristen, möchte der Little Devil gehört werden. Schon im Produkttext des Herstellers wird deutlich, was den Anwender hier erwartet: “Es ist kein neutral klingender Booster und auch kein Fuzz: Der Little Devil Colored Boost verleiht deinem Fender eine leichte Färbung oder holt deinen alten Marshall aus der Vergessenheit zurück.”. Das ist eine klare Ansage, doch ehe wir den Teufel aus dem Käfig lassen, wollen wir einen Blick auf die Technik werfen. Der Little Devil Colored Boost besitzt eine Class-A Verstärkerschaltung, die mit einer wählbaren Feedback/Bias-Steuerung kombiniert wird. Klingt komplex, ist aber in der Anwendung extrem simpel. Da der Colored Boost hauptsächlich nur zwei Regler hat, ist er wirklich einfach zu bedienen.

Die Regler, Schalter, Taster, Ein- und Ausgänge…

Chandler Little Devil Colored BoostDa es sich beim Chandler Colored Boost um ein Gitarrenpedal handelt, besitzt der Little Devil wenig überraschend einen 6,3mm Klinkenein- sowie -ausgang. Zwischen diesen beiden Klinkenbuchsen wurde der Netzteilanschluss für ein 9V Netzteil untergebracht. Damit wären die Anschlüsse auch schon besprochen. Auf der Oberseite finden sich dann auch alle Bedienelemente. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf den beiden großen Potis. Diese, in bester Chandler Little Devil Optik, dienen der direkten Klangbeeinflussung. Der mit “Colored Boost” beschriftete Regler regelt die Vorverstärkung, laut Datenblatt bis zu 37 dB. In einigen Texten findet sich auch die Angabe von 39 dB, doch kann man darüber rätseln oder sich einfach freuen, dass er ordentlich laut macht :-) . Wesentlich klangformender, aber absolut abhängig vom Boost Level, ist der zweite Regler, beschriftet mit “Feedback & Bias”. Im Gegensatz zum Boost-Regler ist dieser nicht stufenlos regelbar, sondern besitzt exakt sechs Einstellungen, die Gitarristen-freundlich von 1 bis 6 durchnummeriert sind. Diese sechs Einstellungen regeln den Sound oder auch Charakter des Gesamtsignals. So soll von leichtem Crunch bis zum heavy Fuzz alles dabei sein, wir werden es sehen. Zur Theorie, hier noch einmal kurz die Erklärung des Herstellers: “Jede Voreinstellung besitzt eine eigene Art der harmonischen Verzerrung und Übersteuerung mit unterschiedlichen Effekten auf ein Sinussignal. Dieses kann sanft, hart, an der oberen, an der unteren oder an beiden Halbwellen beschnitten werden und mit jedem Schritt des Feedback/Bias-Schalters ergeben sich erhebliche Veränderungen im Frequenzverlauf.”

Fragen? Falls ihr überlegt, wo jetzt da noch was eingestellt werden kann, dann sucht die beiden kleinen Toggle Switches unter den Potis. Der linke Toggle wählt die Frequenz für den Boost-Bereich aus. So kann man je nach Geschmack wählen, ob man lieber die Mitten, die Höhen oder das gesamte Frequenzspektrum verstärkt. Auf der rechten Seite findet sich ein Toggle-Switch, der für die Höhen verantwortlich zeichnet. Für die Testaufnahmen habe ich die Einstellungen der beiden kleinen Switches immer gleich gelassen, da die Wirkung des Bias-Regler wesentlich intensiver ist. Dies soll aber nicht heißen, dass die anderen Regler nichts bringen. Ganz im Gegenteil, für das letzte individuelle (Boost)Design sind sie das i-Tüpfelchen.

Das Test-Setup

Chandler Little Devil Colored Boost - UnterseiteGitarrenpedale, Sounds und Klang – das alles ist Geschmackssache und so habe ich für den Test des Chandler Little Devil Colored Boost auch mein persönliches Lieblingssetup gewählt. Einzig bei der Gitarre habe ich mich gegen meine Favoriten entschieden. So bestand das Testsetup aus einer Fender Stratocaster mit drei Singlecoils sowie einem Vox AC4TV. Als Amp-Mikrofon habe ich mich für das sE Electronics VR1 entschieden, da dieses spezielle Bändchenmikrofon bisher sehr gute Dienst vor unterschiedlichsten Röhrenamps absolviert hat. Das ganze wurde über eine Avid MBox Pro in Apple Logic aufgenommen. Die Spuren wurde im Rechner nur geschnitten, klanglich jedoch nicht bearbeitet. Daher mag der Sound etwas ungewohnt, aber ehrlich klingen, immerhin wollen wir den Little Devil (der konsequenterweise zwischen Fender Strat und Vox Amp geschaltet war) testen und nicht die tollen Bearbeitungsmöglichkeiten von Logic 9.

Auspacken, staunen, loslegen

Chandler Little Devil Colored Boost - Top ViewNachdem alles aufgebaut war, nahm ich den Little Devil Colored Boost aus seiner netten, selbstverständlich rot-gehaltenen, Verpackung und war über das recht große Gewicht überrascht. Als der kleine Bodentreter in der Hand lag, wog er gefühlt mehr als die angegebenen 700 Gramm. Dies mag aber auch an der massiven Bauweise liegen. Bis auf die beiden großen Potis hat man es ausnahmslos mit Metall als Material zu tun. Sehr robust und solide kommt der Booster daher. Sofort fallen noch die vier großen Gummifüße auf, die verhindern sollen, dass das Chandler Pedal auf glatten Bühne unbeabsichtigt das Weite sucht. Kurz auf Laminat und Fließen getestet und ja, er bleibt da, wo er hin gehört. Wer ein Batteriefach sucht, wird es auf Anhieb nicht entdecken, denn es gleicht einer Operation, die Batterie zu wechseln. Das mag unpraktisch erscheinen und ist es auch, wenn man solch ein Effektpedal mit 9V Blöcken betreiben möchte. Der geübte Live- und Studiogitarrist greift sicher lieber zum klassischen 9V Netzteil, in meinem Fall dem allseits bekannten Boss PSA-230. Trotzdem gibt es für die Batterieunterbringung mittlerweile schon bessere Lösungen, als die Komplettzerlegung des Effektpedals.

Sahnig, crunchy und auch mal heavy

Nun endlich steht das Setup und ich kann mich mit dem Chandler Little Devil Boost austoben. Für den Test habe ich insgesamt 13 Aufnahmen gemacht, die ich entsprechend erläutert habe. Ziel war es, die unterschiedlichen Feedback und Bias Einstellungen jeweils zweimal zu testen. Beim ersten Mal mit wenig Boost, beim zweiten Mal mit der vollen Vorverstärkung. Am Amp bzw. der Gitarre wurden alle Einstellungen bei allen Aufnahmen gleich belassen. Einzige Ausnahme bilden die Pickups, was sicherlich verständlich ist. Wer spielt schon gerne einen sahnigen Lead-Sound und greift dabei auf den Neck-Single Coil zurück?

Hier folgen nun die Aufnahmen. Ich enthalte mich bewusst einer Bewertung, da es hier primär um den persönlichen Geschmack geht. Interessant wird es vor allem dann, wenn man die Tracks bis zum Ende hört, da gerade dann das erzeugte Feedback enorm gut zu bemerken ist. Dafür auch noch ein Screenshot der Aufnahmen 8 und 9.

Chandler Little Devil Colored Boost - Feedback Track 7 und 8

Track 1: Grundklang ohne Little Devil

Dieses Soundfile dient der neutralen Klangbeurteilung der anderen Aufnahmen. Es ist der Grundklang der Stratocaster in Zusammenhang mit dem Vox AC4TV. Die Abnahme erfolgt hier exakt so, wie in allen anderen Beispielen, halt nur ohne dem Chandler Pedal. Daher solltet ihr immer diese Aufnahme als Vergleich zu den anderen Aufnahmen heranziehen, um die Wirkung des Little Devil Gitarrenpedals zu erkennen.

Track 2: Feedback 1, wenig Boost

Track 3: Feedback 1, viel Boost

Track 4: Feedback 2, wenig Boost

Track 5: Feedback 2, viel Boost

Track 6: Feedback 3, wenig Boost

Track 7: Feedback 3, viel Boost

Track 8: Feedback 4, wenig Boost

Track 9: Feedback 4, viel Boost

Track 10: Feedback 5, wenig Boost

Track 11: Feedback 5, viel Boost

Track 12: Feedback 6, wenig Boost

Track 13: Feedback 6, viel Boost

Färbender Booster oder doch schon ein Overdrivepedal?

Wie die Aufnahmen zeigen, kann man mit dem Chandler Little Devil Colored Boost seinen Röhrenamp richtig aus der Reservere locken. Egal, ob es dabei um angehauchte, subtile Verfärbungen oder um geschmackvolle Distortion-Sounds geht. Irgendwie klingt es immer. Ob der teilweise erzielte Fuzz-Sound einem echten Fuzz-Pedal den Rang abläuft, möchte ich bezweifeln, doch ist das auch gar nicht die Zielsetzung des Entwicklers. Vielmehr geht es hier um die Übertragung des dynamischen Feelings, um die Umsetzung der gewünschten Klangvorstellung. Genau das macht der Little Devil, mal mehr und mal weniger. Was die endgültige “Lieblingseinstellung” wird, ist sicherlich Geschmacksache, doch Blueser werden sicherlich den sahnigen Crunch-Sound favorisieren. Classic Rock Gitarristen werden es auch zu schätzen wissen, ihren geliebten Röhrenamp für den wichtigen Solo-Part dezent hervorzuheben statt einfach nur lauter zu wirken. Teilnehmer der Testaufnahmen fanden abschließend, dass der Little Devil den Sound irgendwie breiter macht. So richtig in Worte konnte es niemand fassen, doch waren alle von der unterschwelligen, positiven Klangeinwirkung fasziniert. Unangenehm fiel nur das laute Knacken beim Wechseln der Feedback-Einstellung auf. Das Aktivieren des Bypass-Modes war hingegen geräuschlos.

Der Test im Überblick:

Das spricht dafür:

  • subtile Klangbeeinflussung
  • äußerst robustes Gehäuse
  • sehr angenehme Potis
  • stabile Kippschalter
  • Batteriebetrieb
  • sehr facettenreich

Das spricht dagegen:

  • umständliches Wechseln der Batterie
  • lautes Knackgeräusch beim Wechsel der Feedback-Einstellung
Lars Über Lars

Lars ist Gründer und Chefredakteur von Acoustic Style. Er ist leidenschaftlicher Blues-Rock Gitarrist und betreibt ein kleines Projektstudio. Seine Erfahrungen im Studiobreich sowie in seiner langjährigen Tätigkeit im Musikhandel lässt er in seine Testberichte, Tutorials und Features einfließen.

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